Das Projekt Ägyptischer Kulturladen

 

Die Auseinandersetzung der Kulturen auf der Grundlage der gegenseitigen Akzeptanz in einer heute zunehmend stark globalisierten Welt ist dringender denn je geworden. Nicht nur das Trennende, sondern auch das Gemeinsame zwischen den Menschen, kann uns ebenfalls dadurch bewusstwerden. Auf diesem Wege kann eine Gesellschaft wie die deutsche, die sich bereits mit vielfältigen vermeintlich "fremden" Kulturen konfrontiert sieht, manche eigenen Vorurteile diesen "fremden" Kulturen gegenüber abbauen.

Für die Gesellschaft stellt es gewiss eine enorme Bereicherung dar, wenn auch Migranten neben der Bewahrung eigener Identität wesentliche kulturelle Komponente ihrer neuen Heimat dazu gewinnen können; sowohl Migranten als auch Einheimischen käme es zugute, wenn sie sich mit Respekt und Akzeptanz begegneten, um sich kulturell gegenseitig zu bereichern.

Vom Beginn an hat das Kulturprojekt „Papyri“ das Ziel, den kulturellen Austausch zwischen Orient und Okzident zu fördern, vorhandene kulturelle Gemeinsamkeiten aufzuzeigen und schließlich zum gegenseitigen Verständnis für die Verschiedenheit beider Kulturen beizutragen.

Um zu diesem Ziel zu gelangen, schien uns bei der Gründung des Projekts im Jahre 1986 sowohl das „arabische Buch“ als auch die „arabische Sprache“ geeignete Medien zu sein, da beide zu den wichtigsten Komponenten einer Kultur zählen.

Elementare Arbeitsfelder sind seit der Entstehung des Projekts Papyri deshalb der arabische Buchhandel, die arabische Übersetzungsarbeit sowie auch die arabische Sprachenvermittlung.

 „Das Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt". Das arabische Sprichwort geht auf die Zeit der kulturellen Blüte des Vorderen Orients zurück und hebt vor allem den Stellenwert des Buches hervor. Es weist aber auch auf die Bedeutung von Sprache und Literatur hin. Beide öffnen uns ein Tor zu fremden Welten. Sie spiegeln Kulturen und Gesellschaften wider und erleichtern den Menschen den Zugang zueinander.                                   

Die Sprache ist das wichtige Medium im Umgang der Menschen miteinander. Mit unserer Sprache übermitteln wir Gedanken und Gefühle. Die Sprache trägt wesentliche Komponenten und Merkmale unserer Kultur in sich. Sich eine Fremdsprache anzueignen heißt, sich einer vermeintlich fremden Kultur zu öffnen.

 

 

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Im Gegensatz zu seiner früheren Blütezeit verlor  der Vorderorient in vieler Hinsicht an kultureller Bedeutung. Die heutigen Gesellschaften im Vorderen Orient und insbesondere in der arabischen Welt weisen ein hohes Maß an kultureller Stagnation auf. Diese Stagnation führt zwangsläufig zur Beeinträchtigung der Entwicklung einer zivilen Gesellschaft in dieser Region. Lediglich die Menschen, die an einer zivilen Gesellschaft teilhaben können, sind in der Lage, sich mit  eigener Kultur und eigener Geschichte bewusst auseinandersetzen, um sich zugleich als Teil dieser globalisierten Welt zu verstehen. 

Exemplarisch für die kulturelle Stagnation im Vorderen Orient ist auch die Fehlentwicklung in Ägypten.

In seinem Buch „Sendebad Misri / Kairo 1961, schreibt der Kulturwissenschaftler Hussein Fauzi  , dass    sowohl die historische Kontinuität als auch die gesunde nationale Identität vom Alten Ägypten über das christliche bis hin zum arabisch-islamischen Ägypten den Ägyptern und den Ägypterinnen seit langem abhanden gegangen sind. Für die Mehrheit der Ägypter und Ägypterinnen beginne die Zivilisation ihres Landes erst mit der Islamisierung im Jahre 640 n. Christus. 

Weiter schreibt er dazu: " Bis auf die kurzen Phasen des nationalen und kulturellen Erwachens in den zwanziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts blieb Ägypten seit dem Niedergang der letzten Pharaonischen Dynastien fremdbestimmt."

Heute definiert sich die ägyptische Gesellschaft in zunehmender Weise lediglich über anachronistisches und von religiösen Dogmen durchdrungenes Gedankengut, das ihr die Kraft zur Erneuerung permanent wegnimmt. Gerade durch diese herrschenden Denk- und Machtstrukturen sowie durch die in der Tradition tief verwurzelte Korruption verfehlte der unerwartet entflammte und lang ersehnte Aufstand vom 25. Januar 2011 für Freiheit und soziale Gerechtigkeit das Ziel, die ersten Bausteine einer zivilen Gesellschaft zu legen. Kaum begann der Aufstand verheißungsvoll, so wurden die an ihn gehegten Hoffnungen in Keim erstickt.

Sollte dieses Land doch aus seiner tiefen Lethargie erwachen, um seinen Platz unter den heutigen modernen Gesellschaften einnehmen zu wollen, wird es mit großem Staunen feststellen, dass die Bausteine der modernen Zivilisation gerade der ägyptischen Hochkultur zu verdanken sind, doch den Ägyptern längst verloren gegangen sind. Selbst die altgriechische Kultur, eine der Hauptsäulen der europäischen Renaissance, wurde von der Kultur Altägyptens befruchtet.